Touristenfallen, durchgeknallte Vögel und ein Toter in San Pancho

Click here for English

Unsere letzte Stranddestination in Mexiko fordert nochmals alles von uns. Zum Glück haben wir den Profi-Status im entspannten Reisen und lassen uns nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Bis jetzt sind wir ziemlich unorganisiert durch Lateinamerika gereist. Hotelreservationen sind uns ein Graus! Woher sollen wir vorher wissen, was uns gefällt und wie lange wir bleiben wollen? Und was, wenn die schöne Unterkunft aus dem Internet in Wahrheit ein überteuertes Drecksloch ist? Eben, darum lassen wir das mit dem Reservieren und schauen uns lieber vor Ort um. Bis jetzt klappte das mit ganz wenigen Ausnahmen immer bestens. Bis jetzt! Als uns der Bus in Sayulita ausspuckt merken wir schnell, dass dieses Städtchen etwas anders tickt. Der erste Hinweis darauf ist die Toilettengebühr. Die kostet hier glatt das Doppelte und der WC-Typ meint noch hämisch „Warts ab, weiter vorne im Dorf wird es noch teurer.“ Etwas beunruhigt machen wir uns samt Gepäck auf die Suche nach einer Unterkunft. Auf dem Weg ins Dorf stellen wir fest, wie touristisch hier alles ist. Der ganze Ort wimmelt nur so von Verkäufern und Souvenirläden. Die Hostels, die wir ansteuern, sind fast alle ausgebucht und wenn doch ein Zimmer frei ist, kostet es ein kleines Vermögen. Alles scheint hier zwei bis dreimal so teuer zu sein wie im Rest des Landes! Frustriert gönnen wir uns ein kleines Mittagessen in einem lokalen Restaurant, was sich später in der Nacht als sehr schlechte Wahl entpuppt. Als dann die Taxifahrer noch ihre Abzock-Masche aufführen, reicht es uns! Unverrichteter Dinge flüchten wir mit dem nächsten Bus ins nahegelegene San Pancho.

San Pancho, auch San Francisco genannt, ist zwar immer noch touristisch, aber es geht weit gemütlicher zu und her. Das Dörfchen macht einen gepflegten Eindruck, ohne zu schick zu wirken. Auch hier sind die meisten Hotels teuer oder ausgebucht. Doch wir haben Glück und finden noch eine bezahlbare Unterkunft für ein paar Tage.

This slideshow requires JavaScript.

Leider müssen wir die Unterkunft in ein paar Tagen verlassen, da auch sie auf das Wochenende hin komplett ausgebucht ist. Es beginnt dann ein Tanzfestival mit dem tollen Namen „Swingbreak“. Dort geht es ziemlich sicher ums Tanzen und um Swing, vermuten wir scharfsinnig. Aber uns interessiert vor allem, dass unsere Unterkunfts-Odyssee bereits in ein paar Tagen weitergeht. Trotzdem leben wir uns ziemlich gut ein im Dorf. Der Strand ist sehr schön, die Leute äusserst freundlich und das ganze Dorf ziemlich hippy-dippy. Die Kehrseite der Medaille: Alles ist teuer! Unser organisches Açai, das unter fairen Arbeitsbedingungen von bedrohten Urvölkern während einer bestimmten Mondphase produziert wurde, schmeckt zwar köstlich, ist aber das teuerste Frühstück unserer gesamten Reise. Trotzdem bereuen wir unsere Flucht von Sayulita nach San Pancho nicht. Bei einem späteren Tagesausflug nach Sayulita sehen wir all das wieder, was uns bereits am Anfang vertrieben hat. Ausserdem entdecken wir einen stinkenden Fluss der gleich neben dem überfüllten Strand ins Meer läuft. Und Patricia zählt die fliegenden Händler, die sie in 15 Minuten am Strand ansprechen. Bei zwanzig hört sie auf zu zählen.

Surftechnisch ist San Pancho etwas schwierig. Die Welle ist schnell, eigenwillig und definitiv nichts für Anfänger. Sie bricht mal hier, mal da. Je nach Swellrichtung, Tageszeit und Wellenform. Dazu kommt eine starke Strömung und völlig durchgeknallte Vögel. Kein Witz: Wenn du in San Pancho im Line-Up sitzt, stürzen sich dauernd Pelikane und Möwen mit voller Wucht direkt neben dir ins Wasser. Und zwar so nahe, dass du sie mit den Armen berühren könntest. Denen ist das ziemlich egal, schlimmer noch, die gehen sogar in Angriffsstellung wenn du ihnen zu nahe kommst. Manchmal kommt mir die Szenerie vor wie in einem schlechten Hitchcock-Film. Es ist nicht ganz einfach, sich so auf die Welle zu konzentrieren. Falls du trotz all den Schwierigkeiten doch mal erfolgreich sein solltest und eine gute Welle hast, mach bloss keinen Fehler, die Welle verzeiht nämlich nichts. Bei Zögern wirst du Bekanntschaft mit dem Meeresgrund machen, wie folgendes Video beweist.

Und dann gibt es da noch die Geschichte mit dem Toten. Eines Morgens steht eine Menschenansammlung neben der Lagune. Die Polizei und die Rettungsschwimmer sind vor Ort. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt liegt eine männliche Leiche. Das Gesicht und der Oberkörper sind im seichten Wasser gut sichtbar. Ein grausiger Anblick. Der Rettungsschwimmer meint noch, der Arme sei letzte Nacht hier ertrunken. Bereits damals kommt mir das etwas seltsam vor, da das Wasser der Lagune nicht besonders tief ist. Wenige Tage später finden wir lokale Berichte, die von Spuren der Gewalt an der Leiche sprechen. Der Tote war erst 16 Jahre alt. Im Dorf selber macht darüber niemand einen Aufstand. Entweder bekommen sie den Vorfall nicht mit, oder sie sind sich an solch traurige Ereignisse gewohnt.

Der Rest unseres Aufenthalts ist (zum Glück) ziemlich ereignislos. Wir suchen uns eine schöne, aber leider teure Bleibe, erkunden die Umgebung und geniessen das Strandleben nochmals in vollen Zügen. San Pancho ist unsere letzte Stranddestination auf diesem Kontinent. Nach einem kurzen Zwischenstop in Mexico City gehts ab Richtung Australien. (mar)

English

Tourist traps, crazy birds and a corpse in San Pancho

Our last beach destination in Mexico is quite a trial. Luckily, we’re now experts in the subject of relaxed traveling and are not easily ruffled.

We’ve never much planned ahead on this trip. Making reservations for hotels is something we actively avoided. I mean, how are you supposed to know if you’re going to like your next destination before ever seeing it?! And what if that nice room from the pictures turns out to be a smelly dark room next to a busy pub? Exactly! That’s why we prefer to choose a place once we’ve arrived. With very few exceptions, that has worked quite well for us. Until now! When we get off the bus in Sayulita it doesn’t take us long to realize that this place is different. A first hint is the fact that they charge double the usual price for the use of the public toilet. A bit irritated, we head off downtown – and that’s when things really start to get on our nerves. The whole place is crammed with pushy souvenir vendors, every hostel we check is either fully booked and/or has ridiculous prices and the waves look bad. Frustrated, we decide to take a break and eat something at the only local place we can find. Turns out, that is probably the worst idea on that day. But we won’t find out about that until later at night… After unsuccessfully checking a few more hostels, we decide to head over to the next town.

San Pancho, also known as San Francisco, is also very popular with tourists, but it has a much more laid-back vibe to it. We immediately like it. Most hotels here are also fully booked and expensive, but we’re in luck and find an affordable room for a few days.

This slideshow requires JavaScript.

We enjoy a few relaxing days in this hippie town and decide that we don’t want to travel any further and stay here instead. The problem with this, though, is that we have to look for another place to stay yet again. Our hotel is fully booked, as „swing break“ is approaching. We never quite figure out what’s up with this festival, as we’re quite busy finding a place to sleep. In the end, we do find an overpriced little apartment and are just glad that we don’t have to move anymore. And we don’t regret our decision to leave Sayulita. This becomes very clear when we go back there for a day trip to check out the town without all of our bags. Not only is the surf not good, there’s a nasty dump of a river flowing into the sea right next to the surf spot. You’d think, no one in their right mind would want to swim anywhere near it… And then there’s the vendors at the beach. We stop counting them after the twentieth seller.

The wave in San Pancho is a whole different story. It’s definitely not for beginners, as it is very steep and fast. It’s also quite hard to predict where it’s going to break, as this changes constantly. There’s also quite a current and some crazy birds. No kidding! Sitting in the line up, you feel kind of under fire, as pelicans and seagulls splash into the water right next to you. Call yourself lucky if you’ve never seen Alfred Hitchcock’s classic „The birds“. It’s not so easy to focus on surfing under these circumstances. And if you do catch a good wave, you better not make a mistake, unless you want to study the structure of the ocean floor more closely. This video is proof.

And then there’s the story of the dead guy. One fine morning, police, lifeguards and some curious onlookers crowd around the lagoon. A few meters from the shore, there’s a corpse drifting in the shallow water. The official explanation is that the poor guy drowned. Which is a bit weird, as the lagoon is not deep at all. A few days later, we read in a local newspaper that the body showed visible signs of violence and that his death was most likely not an accident. The boy was only 16 years old! As shocking as this is to us, it seems quickly forgotten in town. Business as usual. As sad as it is, they’re probably just used to this kind of news.

The rest of our stay passes without any more incidents. We try to enjoy the beach life as much as possible, as San Pancho is our last beach destination in Latin America. After a quick stop in Mexico City, we will fly on to Australia.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s