Puerto Escondido, das Mekka für Adrenalin-Junkies

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Mit Marcel zu reisen ist toll. Aus vielen Gründen, selbstverständlich. Einer der unromantischeren ist: Befindet sich ein Tier in Stech-Laune in unserer unmittelbarer Nähe, werde ich ziemlich sicher verschont. Bei Moskitos ist das schon ganz praktisch. Bei Wespen bin ich dann wirklich froh um ihn. Und bei Stachelrochen kennt meine Liebe keine Grenzen mehr. Letzterer ist dann auch die neuste Errungenschaft in Marcels Hall of Fame der Begegnungen mit stechenden Tieren. Ein falscher Schritt beim Surfen, und zack – fertig lustig! Mit dem Gift dieser Rochen ist nicht zu spassen. Auf der Schmerzskala hört man alles von Wespenstich bis Kindesgeburt. In Marcels Fall ist es irgendwo dazwischen und nach einer Stunde heissem Fussbad zeugt ausser einer Einstichstelle nicht mehr viel vom Zwischenfall. Und das nur wenige Tage nachdem ihn eine riesige Wespe beim Kochen Zuhause in den gleichen Fuss gestochen hat. Warum das Viech auf unserem Küchenboden herumsass und ihn ausgerechnet bei seiner Lieblingsbeschäftigung stören musste, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Immerhin entdecken wir den riesigen giftigen Tausendfüssler unter dem Tisch, bevor er Schlimmeres anrichten kann.

Die Tierwelt heisst uns also auf ihre ganz eigene Art willkommen in Mexiko. Nichtsdestotrotz sind wir hin und weg von diesem Land. Lustigerweise hat unsere Begeisterung aber weniger mit dem Surfen zu tun – dazu später mehr – sondern mal wieder mit dem Essen. Nach bald einem Jahr Reis, Bohnen und Hühnchen sind wir hier im Schlaraffenland. Mit ähnlichen Zutaten zaubern die Mexikaner die besten Speisen auf den Tisch. Dazu gibts wahlweise jeden erdenklichen Frucht- oder Gemüsesaft oder Bier, das mehr als eine wässrige Brühe ist. Eigentlich könnte man uns einfach morgens in einem x-beliebigen Restaurant abgeben und wir würden uns den ganzen Tag die Speisekarte rauf- und runtermampfen – und wären am Ende des Tages komplett zufrieden.

Aber wir sind hier schliesslich in Puerto Escondido. Und wer ein bisschen was mit Surfen am Hut hat weiss, dass dieser Ort ein wahres Surf-Mekka ist (Stichwort: Mexican Pipeline). Nun, das gilt zumindest für die Zeit zwischen April und November. Dann treffen regelmässig fette Swells auf den drei Kilometer langen Sandstrand und sorgen für teils monströse Wellen. Wellen, die wir nie im Traum surfen könnten. So gesehen passt es also prima, dass wir in der Surf-Nebensaison hier sind und in den Genuss von kleineren Wellen kommen. Denn auch die sind hier an der Playa Zicatela alles andere als einfach, da sie sehr kräftig und extrem schnell sind. Dazu kommt, dass sie in ziemlich untiefem Wasser brechen. Mehr als einmal schauen wir von der Spitze einer 2-Meter-Welle runter ins gerade mal knietiefe Wasser unter uns. Was mit ein Grund ist, weshalb man hier immer mal wieder Surfer mit halbiertem Brett am Strand entlang gehen sieht. Das bleibt uns zum Glück erspart. Aber glaubt mir: So viel Sand wie in den zwei Wochen hier habe ich seit Sandkastentagen nicht mehr gegessen!

Wenn wir nicht gerade am Essen sind (Sand oder richtiges Essen), trifft man uns auch gerne mal bei der Unterkunft-Suche an. Die erste Bleibe, die wir glücklicherweise trotz Silvester-Grossansturm noch Last-Minute kriegen, verlassen wir freiwillig. Nicht wegen den vielen Kriechtieren, sondern weil vor unserer Nase mal wieder eine Grossbaustelle steht. Wir sind zwar beeindruckt von der Effizienz mexikanischer Bauarbeiter, doch auf das Geräusch des Betonmischers am frühen Morgen können wir getrost verzichten. Stattdessen gönnen wir uns ein kleines Upgrade und ziehen zwei Blocks weiter in ein Hotel mit Pool, Dachterrasse, Jacuzzi und Wahnsinns-Aussicht. Und hier zeigt sich einmal mehr, warum wir Mexiko lieben. Es ist unglaublich günstig! Ein Zimmer mit eigener Küche kostet hier gerade mal 15 Franken die Nacht, wenn man einen Monat bleibt. Aufgrund eines Missverständnisses wird unser Zimmer aber leider nach nur drei Nächten an andere vermietet und so stehen wir eines Tages leicht bedröppelt mit Sack und Pack auf der Strasse. Bei der erneuten Suche stossen wir dann auf die bisher günstigste Unterkunft unserer Reise. Gerade mal CHF 2.50 pro Kopf (Preis ohne Verhandeln) würde uns das Juwel kosten, das uns ein shirtloser älterer Herr vorführt. Beim Zimmerrundgang betätigt er noch schnell die WC-Spülung – hätte er das drei Stunden früher getan, wäre der Geruch im Zimmer vielleicht „nur“ als schimmlig zu beschreiben gewesen. Da Puerto Escondido aber nun wirklich kein Fischerdorf mehr ist, ist das Unterkunftsangebot schier endlos und so finden wir am Ende doch noch ein kleines Bijoux.

Apropos Fischerdorf: Ich war ja vor 13 Jahren schon mal hier. Schon damals war der Ort kein unberührter Fleck mehr. Aber das ist kein Vergleich zu heute. Trotz intensiver Suche finde ich kein Hotel oder Restaurant mehr, in dem ich bei meinem letzten Besuch war. Und ausnahmsweise glaube ich nicht, dass das an meinem Gedächtnis liegt, sondern vielmehr am rasanten Wachstum dieses Ortes. Trotzdem gefällt es mir hier nach wie vor. Nach vielen abgeschiedenen Orten ist es auch mal schön, an einer klassischen Touristendestination zu sein.

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Und zum Schluss noch ein Fun Fact: Jeder Tourist, mit dem wir hier sprechen, kennt die Schweiz (was bei vorwiegend US-Amerikanern und Australiern durchaus überraschend ist). Genauer genommen Lauterbrunnen. Denn nebst Surfen ist hier noch ein Sport gross: Skydiving. Und was für viele Surfer eben die Wellen an der Playa Zicatela in Puerto Escondido sind, ist für die Basejumper und Wingsuit-Flieger auf dieser Welt unser kleines Lauterbrunnen. (pat)

English

Traveling with Marcel is awesome. Obviously, for various reasons. One of the not so romantic ones is the fact that if we’re in close proximity to any animal that can sting, I will most likely be spared. If that’s a mosquito, it’s pretty convenient. If we’re talking about wasps, I’m really glad he’s around. And if it’s a stingray, my love for him knows no boundaries. The latter is the newest addition to his Hall of Fame of encounters with stinging animals. One wrong step during a surf session and wham – game over! The poison of stingrays is not exactly harmless and pain-wise I’ve heard comparisons with everything from a bee sting to giving birth to a child. For Marcel, it’s somewhere in between. Luckily, after an hour with his foot in a bucket of hot water, only a small cut still reminds of the painful encounter. And this happens to him only days after he got stung (in the same foot) by a wasp while cooking at home. Why this stupid creature had to lure around on the kitchen floor and torture him during his favorite pastime (yes, he hates cooking even more now) is still a mystery to me. At least we discover the huge poisenous centipede under our kitchen table before it can do any harm.

Despite planet animal giving us a not so warm welcome to Mexico, we absolutely love it here. Funnily, this has less to do with the surfing (more about that later), but more with the food. Yeah, this is starting to turn into a food blog, I’m aware of that. But honestly, after a year of rice, beans and chicken, Mexico is a culinary paradise. With similar ingredients, Mexicans can do magic. And there’s always a choice of fresh fruit or vegetable juice or a beer that tastes of more than water.

Honestly, we’d be happy just stuffing our faces all day, every day. But we are in Puerto Escondido. And anyone who cares just a bit about surfing knows that this place is something like the holy grail for surfers. Well, at least that is true for the period between April and November. That’s when big swells regularly hit the coast and create huge barreling waves at the three kilometer long Playa Zicatela. Waves that Marcel and I could never ever surf. Good thing we’re here in winter, when the waves are much smaller. They’re still quite difficult, as they’re powerful and very fast. They also break in very shallow water. More than once do we look down from the peak of a two-meter-wave into knee-deep water. That’s probably one of the reasons you will regularly see surfers returning from a session with their surfboard in two pieces. Luckily, our boards survive Playa Zicatela. But trust me: I haven’t eaten this much sand ever since playing in the sandbox as a kid!

If we’re not busy eating (sand or real food), there’s a chance you might find us looking for a place to stay. We move around quite a bit in Puerto Escondido. The first guesthouse we leave voluntarily after a couple of days. Not because of all the insects, but because of the construction site right in front of our window (once again…). As impressed as we are with the efficiency of Mexican construction workers, the sound of three cement mixers in action on a Saturday morning is not something we particularly enjoy. We opt for an upgrade instead and move to a hotel with swimming pool, rooftop terrace and jacuzzi just two blocks away. This is another reason we love this country. It’s so inexpensive! A month at this hotel in a room with your own kitchen costs 15 USD a night. Unfortunately, due to a misunderstanding, our room is sublet to someone else after three nights. So one fine morning, we end up back on the streets with all our bags. That’s when we find the cheapest room on this trip yet: USD 2.50 per night and person! It doesn’t take us long to find out why it’s so cheap. The shirtless guy who shows us around quickly flushes the toilet when he shows us the room. Had he done that three hours ago, maybe the smell would „only“ have been moldy. I’ll spare you the specifics… Let’s just say the poop smell wasn’t this rooms only problem. Luckily, Puerto Escondido is not the tiny fishing village that it used to be and there’s is plenty of options. We end up finding a beautiful place.

Speaking of fishing village: I was here before, 13 years ago. Even back then it was pretty touristy, but nothing compared to now. I’m not even able to find any of the hotels or restaurants that I went to the last time. For once, I don’t think that has anything to do with my bad memory, but with the quick growth of this place. Even so, Puerto Escondido is still beautiful and I enjoy being here. After having visited so many remote places it is actually nice to spend some time in a developed tourist hotspot.

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By the way: Every tourist we meet here knows Switzerland and the tiny town of Lauterbrunnen. We soon figure out why. Besides surfing, there’s another sport that is really big here: skydiving. And to basejumpers, the mountains of our little Lauterbrunnen are what the waves of Puerto Escondido are to us surfers.

3 Comments Add yours

  1. Jens says:

    Schöner Artikel. ich werde mirden Ort auch bald mal anschaune. Welches war denn diese luxuriöse HOtel mit Dachterasse? Sieht super aus. Nehm ich auch 🙂 Gruß J

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    1. Hi Jens, das Hotel heisst Aqua Luna und ist oberhalb vom Zicatela. Von da bist du im Nu im Lineup. Viel Spass in Puerto!

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