In Antigua kommt der Samichlaus mit dem Pick-up

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Weihnachten hat sich dieses Jahr noch mehr angeschlichen als sonst! Zwar sind die Vorzeichen da. Überall hängen Christbaumkugeln an den Palmen und kaum ein Supermarkt in dem nicht eine schnulzige Version von „Feliz Navidad“ läuft. Auch die rutschigen Tannenadeln, die plötzlich überall auf dem Boden ausgestreut sind hätten uns stutzig machen müssen. Aber mit Temperaturen über 30 Grad und viel surfen kam irgendwie keine Festtagsstimmung auf. Und jetzt, nur wenige Tage vor dem grossen Fest haben wir plötzlich Panik. Mist, wie und vor allem wo wollen wir überhaupt feiern? In Mizata wollen wir nicht bleiben, da ist es etwas gar einsam. Wir haben Angst, dass uns das Christkind hier nicht findet. Und auch sonst kann ein wenig Gesellschaft an Weihnachten nicht schaden. Ausserdem wollen wir noch etwas vom Nachbarland Guatemala sehen. Also auf nach Antigua! Das Städtchen soll wunderschön sein und kulinarisch einiges zu bieten haben. Keine schlechte Aussicht für die Festtage.

Bevor wir uns wie Geier auf die Leckereien in Antigua stürzen können (eine Woche Reis und Bohnen hinterlassen Spuren), müssen wir noch die Reise dorthin überstehen. Damit alles glatt läuft, haben wir extra einen Shuttle organisiert. Der soll uns für 20 Dollar pro Kopf bequem von Tür zu Tür und über die Grenze bringen. Nur taucht der Bus leider nicht auf. Wir warten. 30 Minuten…45 Minuten… 60 Minuten… 90 Minuten. Kein Bus weit und breit! Keine Nachricht von der Reiseagentur, kein „wir kommen später, eine Kuh ist uns vor den Bus gesprungen“. Nachrichten von uns werden nicht beantwortet. Die lassen uns hier einfach in der Pampa sitzen! Damit wir doch noch irgendwo hinkommen, nehmen wir den lokalen Bus Richtung Sonsonate. Dort steigen wir um und nehmen den Bus zur Grenze. Das ist zumindest die Idee. Leider will am Busbahnhof von Sonsonate das halbe Land in die gleiche Richtung wie wir. Was zu einer ziemlich abstrusen Situation führt: Zwar bilden die Leute brav eine Schlange, aber sobald der richtige Bus auftaucht gibt es kein Halten mehr und die Leute sprinten los. Wir sehen in dem ganzen Getümmel mit unserem Gepäck und unseren Surfbrettern ziemlich alt aus. Erst als wir einem Einweiser (das sind die Jungs, die die Busse ausrufen) ziemlich energisch unsere Situation schildern tut sich was. Am Ende dürfen wir nach einer kurzen Wartezeit vor den anderen Leuten in einen Bus einsteigen. Uff, endlich unterwegs Richtung Grenze! In der Abenddämmerung kommen wir am Grenzübergang an. Wir wissen, dass der letzte Bus Richtung Antigua in den nächsten Minuten fährt. Also versuchen wir so schnell wie möglich auf die guatemaltekische Seite zu gelangen. Das klappt auch ganz gut, bis sich uns ein freundlicher aber auch genauer Grenzbeamter in den Weg stellt. Der will wissen, ob wir in dem komischen grossen Koffer eine Leiche versteckt haben. Da er wahrscheinlich noch nie was von einem Surfbag gehört hat, ist ihm dieses Ding höchst suspekt. Dank Patricias Spanisch-Kenntnissen können wir die Situation schnell klären, aber wir verlieren wertvolle Minuten. Als letztes Hindernis auf unserer Odyssee müssen wir noch das Niemandsland zwischen El Salvador und Guatemala überqueren. Grenzübergänge sind ja nie die sichersten Orte. Aber hier ist es mittlerweile stockfinstere Nacht und vor uns liegt die ein Kilometer lange Grenzstrasse, die aussieht wie der Weg nach Mordor. Rechts und links der Strasse dunkles Gebüsch. Keine einzige Strassenlaterne spendet Licht und der Weg ist von Schlaglöchern übersät. Menschen sehen wir auch keine, man geht hier wohl eher bei Tag durch. Wir gehen ziemlich zügig voran, nicht nur weil wir den Bus erwischen wollen. Als wir heil auf der anderen Seite ankommen ist der Bus leider schon abgefahren. Vor morgen früh fährt keiner mehr. Wir sitzen fest!

Ungefähr so sah die Grenzstrasse aus, nur mit weniger Licht.

Zum Glück finden wir gleich nach der Grenze ein anständiges Hotel, in dem wir die Nacht verbringen. Am nächsten Morgen nehmen wir den Bus nach Antigua, wo wir nach vier Stunden Fahrt auch endlich ankommen. Heute ist Heiligabend und Leute feiern Weihnachten mit ihrer Familie. Fast alle Geschäfte und Restaurants haben ab 18:00 Uhr geschlossen. Also machen wir uns schnurstracks auf, Essen zu besorgen. Mit Spaghetti und Rotwein bewaffnet kehren wir zurück ins Hostel und bereiten das Weihnachtsessen vor. Immer in der Hoffnung, es tauchen vielleicht noch andere Gäste auf, mit denen wir anstossen können. Aber da kommt niemand. Wir sind allein im Hostel. So viel zum Plan unter Leuten Weihnachten zu verbringen. Auch die Luft ist hier auf 1500 Metern deutlich kühler. Nach Sonnenuntergang kramt Patricia panisch ihre Jacke und den Schal hervor, aber es reicht nicht. Erst als es heisse Spagetti und genügend Rotwein gibt, kehrt die Farbe in ihr Gesicht zurück.

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Der Laptop dient auch als Heizung.

Tagsüber sind die Temperaturen sehr angenehm und laden zum Erkunden der Umgebung ein. Das Städtchen ist wirklich wunderschön und es gibt viel zu entdecken. Nur weihnachtlich ist es auch hier nicht. Ausser einer witzigen Parade (siehe Titelbild) erinnert hier ziemlich wenig an die Festtage. Uns egal, zufrieden flanieren wir stundenlang zwischen hippen Bars und historischen Ruinen hin und her.

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Und da gibt es noch die drei berühmtesten Ausflüge. Zum Vulkan Acatenango, zum Atitlan-See und zum Kunstmarkt ein paar Dörfer weiter. Ratet mal, wie viele wir gemacht haben? Genau! Nicht einen! Der Aufstieg zum Vulkan ist uns zu kalt, der See zu weit weg und der Kunstmarkt – ach, das Zeugs gibts alles auch in Antigua! Viel lieber verbringen wir ein paar gemütliche Tage in der Stadt, mit gutem Essen und Sightseeing. Der gemütlich Langzeitreisende in uns hat definitiv die Oberhand gewonnen. (mar)

English

This year, Christmas caught us by surprise even more than usual. Obviously, there were signs: ornaments in palm trees, every supermarket playing some cheesy version of „Feliz Navidad“ or fir needles on every floor (do they know how slippery that is!?) should have prepared us. But with temperatures above 90 degrees and lots of surfing, we just didn’t get into the holiday spirit. And then, with only a couple of days to go till Christmas, we suddenly panic. Where will we celebrate? We don’t want to stay in Mizata, as this would be quite lonely. And we want Santa to be able to find us. As we want to see a bit of neighbouring Guatemala, we decide to head there and spend Christmas in Antigua. It’s supposed to be very pretty and have lots of restaurant choices. Sounds good to us.

But first we have to get there. As we have already made a reservation in a hostel (after all, it’s pretty busy this time of year), we really want this trip to go smoothly and arrive on time. So we decide to pay a bit more and go with a shuttle with door-to-door service. Unfortunately, that shuttle never shows up. We wait. 30 minutes.. 45 minutes… 60 minutes… 90 minutes. No bus in sight! Our messages and phone calls to the agency are not answered, so after a two-hour wait we decide to take matters into our own hands. We cram into a local chicken bus and head to Sonsonate. From there, we can take another chicken bus to the border and then head on to Antigua. That’s the theory. Fact is, the whole country seems to have a similar plan and we are confronted with a ridiculously long queue for the bus in Sonsonate. With all our bags, it seems pretty much impossible to squeeze into the over-packed bus. On our fourth try, I manage to get hold of one of the guys who collects the fares on the bus and explain our situation. After agreeing on paying an extra fare for our surf bag, we are treated to an early boarding and can cram all our stuff between some seats before everyone else gets on. Finally, we are en route to the border. Shortly after sunset we arrive there. We know that the last bus towards Antigua will leave soon, so we hurry up to get to the other side. Initially, that works quite well. Until a friendly, but very thorough gentleman from the border police demands to know what we’re carrying around in that long black bag. He’s quite relieved when we show him it’s only surfboards and no corpse. But we lose crucial minutes. By now, it’s pitch black outside and we still have 1km on an unlit and completely deserted road with tons of potholes ahead of us. It looks pretty much like the road to Mordor… By this time, there’s no taxis or Tuk-tuks around anymore that could take us. It seems like everyone else had the sense to avoid this spooky place after dark. So we have no choice but to hurry along and try to side-step any ankle-twisting potholes. Needless to say, by the time we get to the other side, there are no more busses running anywhere, we’re stuck…

This is what the border road looked like. Just darker.

Luckily, we find a decent hotel right at the border to spend the night. The next afternoon, after another 4 hours on the bus, we get to Antigua without any more incidents. As it’s Christmas Eve, most stores and restaurants close at 6PM. So we rush to the store and buy some good old spaghetti and plenty of red wine. We’re kinda hoping to celebrate with other travelers at the hostel, it’s actually why we chose a hostel and not a hotel. But there isn’t anyone, we got the place to ourselves. Again. Oh well… We’re also a bit unprepared for the quite chilly temperatures at 1500 meters above sea level. In the evening, I tear out all the warm clothes I can find in my backpack (which isn’t that many) and pile them on. It’s only after a few cups of red wine and some steaming hot spaghetti that I warm up again.

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The notebook helps keep me warm, too.

During the day, the temperatures are quite nice and it’s perfect to walk around town. Antigua surprises us with its charm – after all the colonial towns we’ve seen on this trip, we weren’t expecting much. But it really is beautiful! Despite the colder temperatures and a funny Christmas parade (see title), we still never get into the spirit. But it doesn’t matter – we enjoy the many bars and historic ruins all over town.

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There is at least three excursions that are probably on everyones „things to do“-list in and around Antigua: Hiking up volcano Acatenango, relax at lake Atitlan and visit the famous artisan market in Chichicastenango. Guess how many of these things we do? Exactly, none! We find it way too cold to spend a night up on the volcano, the lake would demand more time than we have and, last but not least, what’s the point of going to the market if you see all the crafts in Antigua too and don’t want to buy anything? We prefer spending our days in Guatemala relaxed and away from any more busses. It’s obvious that we’ve really become very laid-back longterm travelers.

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