In Mompox steht die Zeit still

Da muss sich der Autor unseres Reiseführer in der Stadt vertan haben. Oder er hat sich in Mompox Hals über Kopf verliebt und alles durch eine sehr rosarote Brille gesehen. Oder er war auf einem Drogen-Trip. Anders können wir uns Sätze wie “Mompox is very addictive” (Mompox macht abhängig), “everyone learns your name after a few days” (nach ein paar Tagen kennt jeder deinen Namen),”impromptu parties” (spontane Partys) oder “forgotten gem” (vergessenes Juwel) nicht erklären. Als wir kurz vor Mittag in Mompox ankommen, sind wir die Einzigen auf der Strasse. Aber das ist nicht weiter überraschend – schliesslich sei es tagsüber so heiss, dass zwischen Mittag und 17 Uhr kaum einer das Haus verlasse. Obwohl es nach einem morgendlichen Regen eigentlich ganz angenehm ist in der Stadt, machen wir uns keine grossen Gedanken und verbringen einen entspannten Nachmittag im Hostel.

Da habe ich dann auch ausführlich Zeit, den Eintrag zu Mompox eingehend zu studieren und kriege richtig Lust auf das Städtchen. Vor allem eine bestimmte Bar tut es mir an, denn da soll es „ausgezeichneten chilenischen Wein“ geben. Nach vier Monaten Bier-Diät ist diese Aussage sozusagen ein blinkendes Neon-Schild ins Paradies. Ein Blick auf die Uhr verrät; die Happy Hour hat schon vor einer Stunde begonnen – also nichts wie los!

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Und dann – grosse Enttäuschung! Die Bar gibt es nicht mehr. An ihrer Stelle stehen irgendwelche unsympathischen Snack-Buden. Dort gibts zwar Drinks und Bier, aber eben keine Happy Hour (sie kennen diesen Begriff gar nicht erst) und schon gar keinen Wein. Ja, da war ich dann mal kurz nicht so gut drauf…

So vergehen die Stunden und wir warten darauf, dass die Stadt zum Leben erwacht. Irgendwann sehen wir aber ein, wilder als das hier wird es nicht mehr:

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Dort hinten links hocken noch zwei, glaubs!

Auch an den folgenden Tagen und Abenden bleibt es sehr beschaulich. Trotzdem wirkt der Charme der Dornröschenstadt irgendwann auf uns – oder besser gesagt auf Marcel. Er verliebt sich bei einem Abendspaziergang am Flussufer ein wenig in diesen malerischen Ort. Ich hadere noch etwas, werde dann aber am letzten Tag auch noch versöhnlich gestimmt. Wir machen eine entspannte Bootstour auf dem Río Magdalena und seinen Nebenärmen. Und werden mit einem doppelten Regenbogen belohnt.

Eins verzeihe ich Mompox aber nicht: Die Stadt holt im Endspurt noch den Bünzli in uns hervor. Und den glaubte ich eigentlich Zuhause im Mottenschrank gelassen zu haben. Aber unser Hostel will sich offenbar auch als Party-Lokal einen Namen machen und schmeisst einen Kindergeburtstag. Klingt harmlos? Oh, nein, wir sind hier schliesslich in Lateinamerika! Und hier kennt man so schrecklich einschränkende Dinge wie Nachtruhe oder Dezibel-Grenzwerte nicht – oder man schert sich zumindest nicht drum. So schlurft in der letzten Nacht also eine genervte Patricia durch die Gänge voll aufmüpfiger Teenies und klopft die Chefin aus ihrem Zimmer, um dem Ganzen ein Ende zu setzen. Schliesslich sind wir hier ja nicht in einer Disko, oder, gopf?! Und überhaupt! Danach hab ich den Bünzli für Ferien ans Meer geschickt, tut ihm sicher gut. (pat)

2 Comments Add yours

  1. Jonas says:

    A mi me encanto Mompox! Es como todo Colombia hace muchimos años. Macelito tiene racon 🙂 Saludos de Mallorca

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    1. Claro, es un lugar muy lindo. Pero por mi gusto fue un poco aburrido. 🙃 Saludos de Providencia

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