Die Pazifikküste Kolumbiens: Weshalb wir beinahe im Paradies hängen blieben

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Wir haben das Paradies gefunden. Und um ein Haar wären wir dort auch nicht mehr weggekommen. Unfreiwillig. Aber der Reihe nach.

Von Medellín sind wir in einer rumpligen Propellermaschine nach Nuquí geflogen. Denn Strassen dorthin gibt es keine. Der Ort liegt abgeschieden an der Pazifikküste und ist ganz nett, aber nichts ausserordentliches. Der Strand ist voller Schwemmholz und leider auch Abfall, dazu kommt verschlammtes Wasser – kurzum: Es lädt nicht zum Baden ein. Wellen hat es auch keine. Wir sind trotzdem ein paar Tage geblieben und haben ausgespannt, extrem viel und gut gegessen und genug getrunken.

Strand von Nuquí

Den Himmel auf Erden fanden wir dann in Guachalito. Alleine die Reise dorthin war ein Erlebnis, das wir nicht so schnell wieder vergessen werden – im positiven Sinn. Denn unsere kleine Lancha war nicht nur mit menschlichen Passagieren vollbepackt, sondern zu unserer grossen Freude auch mit ein paar Tierchen.

Leider nicht zu sehen: Auch ein Schweinchen und eine Kiste Küken waren mit an Bord

Krächzend, grunzend, winselnd und fiepend kam unser Bötchen rund 45 Minuten später im Paradies an. Ernsthaft – noch nie im Leben waren wir an einem so schönen Ort. Wir fänden es sogar toll, gäbe es keine Wellen. Tatsache ist aber: Surfen hier ist einfach nur phänomenal!

Von unserem Häuschen aus reicht ein gemütlicher Strandspaziergang von 15 Minuten, um an einen netten kleinen Spot mit dem Namen Terquiño zu gelangen. Den haben wir meist für uns alleine, manchmal ist noch ein anderer Tourist oder ein Local dort.

Und dann gibts da noch Cabo Corrientes… Das ist der westlichste Zipfel des Bundesstaates Chocó mit weltklasse Wellen. Um die Lage dieses Spots zu beschreiben, reicht das Wort „abgeschieden“ nicht aus. Denn um dort hinzugelangen, muss man von dem schon seeeehr abgeschiedenen Guachalito 1h mit dem Schnellboot übers Meer fahren. Nach 15 Minuten fährt man nur noch an komplett unbewohntem Gebiet vorbei. Kein. Einziges. Häuschen. Nur Dschungel und Meer. Der Spot selbst ist so schön, er sieht „gephotoshopt“ aus. Und gleichzeitig ist er ziemlich angsteinflössend. Aus mehreren Gründen: Die Wellen, die reinrollen, sind sehr gross. Zum Glück erwischen wir einen eher „kleinen“ Tag (Wellen bis zu 2m). Laut unserem Guide werden die Wellen nämlich gerne mal acht Meter hoch. Unter den Wellen: Steine. Bei Flut kein Problem. Bei Ebbe kanns ganz schön eng werden, wie mein Brett leider bezeugen kann. Ich hab jetzt zwei schöne Dellen an der Unterseite… Und last but not least: Es hat Haie. Laut den Locals „machen die nichts“. Uns war aber trotzdem ganz schön mulmig zumute. Vor allem wenn man nach einem erfolgreichen Ritt wieder mutterseelenalleine die 150 Meter zurück ins Line-up paddelte. Aber: alles ging glatt, wir hatten einen Mordsspass, viele heftige Wipe-outs, viele Erfolgserlebnisse, ritten die höchsten Wellen bisher und waren nach 3h im Wasser ganz schön stolz und happy. Und sonnenverbrannt.

Wenn wir nicht gerade am Surfen sind, relaxen wir in der Idylle oder sind auf Nahrungssuche. Was mich zu den nächsten zwei nennenswerten Themen bringt. Die Natur und das Essen. Nun, wir mögen die Natur. Als Städter vergisst man aber gerne, was so eine – nennen wir es mal florierende – Flora und Fauna alles bedeutet. Die hört nämlich nicht bei den schönen Blümchen, farbigen Vögelchen und exotischen Fischlis auf. Da gibts auch riesige Schlangen, tödliche Spinnen, giftige Frösche, aggressive Krebse und allerlei Getier, dem man lieber nicht begegnet. Ein WC-Gang in der Nacht kann da zu einer grossen Herausforderung werden, zumal dieser in der dichtesten Finsternis stattfindet (Strom gibts nur von 17-22 Uhr). Ich verschone euch jetzt mit Details – aber wir hatten mitunter ziemlich schlaflose Nächte, weil uns ein riesiges schwarzes Monster mit acht Beinen Gesellschaft in unserem Zimmer leistete oder weil sich zwei grosse Krebse unser Badezimmer als Kampfarena ausgesucht haben. Soviel also zur Natur.

Zum Essen gibts zu sagen: Davon haben wir hier nie genug und sind seit 7 Tagen auf Zwangsdiät. Am ersten Abend mussten wir ausgehungert ein Restaurant verlassen, weil wir die Grundregel des Essens in Guachalito nicht kannten: Nahrung gibts nur gegen Vorab-Bestellung. Denn bei den paar Nasen, die sich hierhin verirren, wird nicht fröhlich auf Vorrat eingekauft und gekocht. Seit wir dieses Prinzip verstanden haben, ist alles etwas einfacher. Trotzdem sind uns die Portionen eigentlich immer zu klein und den Resthunger kann man nicht mit einem kleinen Snack stillen. Denn den gibts hier einfach nicht. So gesehen freuen wir uns also wieder auf die Stadt.

Apropos Stadt: In die müssen wir viel früher als geplant zurück. Eigentlich wollten wir drei Wochen am Pazifik bleiben und haben einen Rückflug für den 20. April. Da man in der ganzen Region hier alles bar bezahlen muss, es keine Bankomaten gibt und die Preise auch nicht ohne sind, schmilzt unser Bargeld nur so dahin. Bei der letzten Zählung stellten wir dann schockiert fest, dass wir es nicht mal mehr zurück schafften, wenn wir am nächsten Morgen abreisen würden. Wir kamen ziemlich ins Schwitzen, versuchten unseren Flug umzubuchen und verhandelten mit unserer Gastgeberin. Am Ende rettete uns der Notgroschen an US-Dollar, den ich dabei hatte und den ich zu einem ziemlich miesen Kurs wechseln konnte. So reichte uns das Geld doch noch fürs Boot zurück nach Nuquí, wo wir einen neuen Flug kaufen konnten und die letzten zwei Plätze im Flieger nach Medellín erwischten.

Falls ihr euch jetzt fragt, warum zur Hölle ihr noch nie von diesem Paradies gehört habt, dann ist die Antwort leider etwas traurig. Das Departement Chocó ist eines der ärmsten Kolumbiens und war bis vor Kurzem wegen Aktivitäten von Guerilleros und Paramilitärs nicht bereisbar. Auch heute gelten grosse Teile des Departementes noch als gefährlich, vor allem die Grenzgebiete. Die Regionen rund um Nuquí und Bahia Solano sind aber relativ sicher.

Falls wir euch jetzt trotz allem „gluschtig“ gemacht haben und ihr auch mal ein paar Tage der Zivilisation entfliehen wollt, haben wir hier noch ein paar Tipps. (pat)

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English

We’ve found paradise. And we very nearly got stuck there. Not because we wanted to. But let’s start at the beginning.

We took a very bumpy flight from Medellín to Nuquí, since there are no roads going to that part of the pacific coast. The town itself is nice, nothing out of the extraordinary. Its beach is littered with driftwood and garbage and the water is murky – it’s not very tempting for sunbathing or swimming. And there are no waves. Nonetheless, we decided to stay in Nuquí for a couple of days to relax, eat and drink.

Nuquí beach

And then we found heaven on earth in Guachalito. Even the boat ride there was an unforgettable experience! Because the little lancha we took to get there wasn’t only filled with human passengers, but also with quite a few animals:

There was also a box of chicks and a baby pig on board – unfortunately not on camera

Croaking, grunting, whimpering and cheeping our ride arrived in Guachalito after about 45 minutes. And never ever have we been to a more beautiful place. We’d even love it here if there weren’t any waves. But as a matter of fact, there is some spectacular surf here!

It’s no more than an easy 15 minute walk along the beach from our house to a really nice spot called Terquiño. Most of the time, we have it to ourselves. Every once in a while we share the waves with another tourist or a local.

And then there is Cabo Corrientes… It’s the westernmost point of the department Chocó and offers world class waves. Calling this spot „secluded“ doesn’t quite cut it. Because in order to get there, you ride an hour in a speedboat from the already veeeery secluded Guachalito. After 15 minutes you pass nothing else but untouched wilderness. Not a single house. The spot itself is so beautiful, it looks photoshopped. And at the same time it’s scary. For various reasons: The waves are very big. Fortunately, we’re there on a „small“ day, meaning the waves are only up to two meters. According to our guide, they can easily reach eight meters. Underneath the waves: rocks. No big deal during high tide. But it does get a bit tight during low tide. My board is prove – I now have two big dents on the bottom… And last but not least: there are sharks. According to the locals, „they do no harm“. We were somewhat scared anyways. Especially when we had to paddle the 150 meters back out to the lineup after a ride. But it all worked out, we had lots of fun, quite a few wipeouts and surfed some of the biggest waves so far. After three hours in the water, we were quite proud and happy – and sunburnt.

If we’re not busy surfing, we’re enjoying nature or are looking for food. Which brings me to the next two topics. Well, we both love nature. But being the city kids we are, we tend to forget what nature actually looks like and what comes along with it. Because it’s not done with some pretty flowers, colorful birds and exotic fish. There’s also huge snakes, deadly spiders, poisonous frogs, aggressive crabs and lots of other animals that you’d rather not have a close encounter with. So going to the toilet in the middle of the night can be quite a challenge, considering that you’ll have to do that in the pitch dark. There’s only electricity from 5 to 10pm. I’ll spare you the details, but we did have some sleepless nights because of big hairy monsters with eight legs in our room or because two crabs confused our bathroom with a fighting pit. As for the food – there always seems to be too little of that. On our first night in Guachalito, we actually had to leave a restaurant with empty stomachs, because we didn’t know the first and most important rule about eating in Guachalito: order ahead! Since there are so few people coming here, no one buys food they’re not gonna sell, let alone cook any of it. Once we got the hang of that, things got better. But meal portions are still quite small and there are no snacks you could buy in between. Therefore, we are kinda looking forward to going back to the city.

Speaking of which: We had to go back there much earlier than planned. Originally, we wanted to spend three weeks at the pacific coast and booked our return flight for April 20. But since we had to pay absolutely everything in cash, there is no ATM anywhere and prices are not exactly cheap, we were running out of money sooner than expected. Last time we counted, we realized that we wouldn’t even make it back to Medellín if we left the very next day. That was a bit scary… So we tried to change our flight and negotiated with our host. But no luck. What saved us in the end were some backup USD I had with me. Some guy agreed to exchange them at a really bad rate. But at least we now had enough money to make it back.

In case you’re wondering why the hell you’ve never heard of this paradise, the answer is a bit sad. The department of Chocó is one of the poorest in all of Colombia and until very recently, no one dared travelling there because of guerilleros and paramilitaries. Even today a big part of Chocó is still considered dangerous, especially near the borders. But the area around Nuquí and Bahia Solano is quite safe.

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